Was es braucht, damit aus einem verwaisten denkmalgeschützten Gebäude ein neuer städtischer Anziehungspunkt wird, das zeigt sich in Zeulenroda-Triebes: Hier verwandelt sich der Stadthöhler durch viel Engagement und Mut in eine Brauerei und Ferienwohnungen der ganz anderen Art.
Noch sind nicht alle Baugerüste beseitigt, manche Wände oder die Inneneinrichtung noch nicht fertig als die Teilnehmenden vom Thüringer Aktionsbündnis „Innenstädte mit Zukunft“ Ende August ihre Köpfe neugierig in die einzelnen Etagen des Stadthölers von Zeulenroda steckten: Aber schon diesem Zeitpunkt war an fast jeder Ecke erkennbar, mit wie viel Herzblut und Kreativität hier Menschen daran arbeiten, ein altes Gebäude zu revitalisieren und der Stadt als Wirkungs- und Begegnungsraum zurückzugeben.
In der Genossenschaft „Horlebeck Brauerei Zeulenroda eG“ organisiert, haben sich Toni Heinrich, Bastian Militzer, Thomas Bergner und ihre Mitstreiter trotz bürokratischer Hürden und komplexer Förderprozesse, den es für die Verwandlung des alten Stadthöler-Gebäudes gibt, nicht entmutigen lassen und in den vergangenen Jahren an dem Projekt festgehalten. „Man braucht einen langen Atem, genau solche Projekte wirken als Leuchtturm und können auch für Projekte in anderen Thüringer Städten wegweisend sein, um Leerstand und Verfall in den Innenstadtkernen zu begegnen“, erläutert Andreas Jaeger von der Geschäftsstelle des Innenstadtbündnisses. In dem Gebäude in der Greifswalder Straße entstehen so eine Brauerei, Ferienwohnungen und weitere Räume, die für Veranstaltungen in der Stadt genutzt werden können. „Unsere Innenstadt hat sich verändert: Immer mehr Kneipen und Läden oder Restaurants mussten schließen. Es wurde stiller in Zeulenroda, weil die Menschen immer weniger Plätze fanden, an denen sie sich abseits ihrer eigenen vier Wände treffen können. Was früher das Herzstück unseres städtischen Miteinanders war, ist heute oft verwaist. Das wollen wir mit dem Umbau des Stadthölers ändern und einen Rahmen schaffen, in dem städtischen Leben möglich ist“, hält Toni Heinrich als Mitinitiator der Genossenschaft fest. Zugleich sei es ein Anliegen der Genossenschaft, ihre Erfahrungen zu teilen und damit ähnlichen Projekten Mut zuzusprechen und sie wenn möglich durch den transparenten Austausch vor Fallstricken in der Revitalisierung eines leerstehenden Gebäudes zu bewahren.
Das wissen wir vom Aktionsbündnis sehr zu schätzen: Trotz eines engen Terminplans haben die Genossenschaftler 23 Teilnehmern der Arbeitsgruppe „Leben und Wohnen“ während des Projekttages Einblicke gewährt und so ihr Wissen mit anderen Thüringer Akteuren geteilt.
Nicht allein das Stadthöler-Projekt überzeugte dabei während des Projekttages im August: Beim Rundgang durch Zeulenroda vorbei an Problemstellen wie der Einkaufspassage am Markt und dem WEKA-Kaufhaus, wurde deutlich, wo die Herausforderungen für Innenstädte generell liegen und wo es Ideen, aber auch Unterstützung braucht. Eben damit auch unkonventionelle Wege die Chance haben, an ihr Ziel zu kommen: So wie die Dreieinigkeitskirche der Stadt. Als Kulturraum wird sie dank des Vereins „VIVA Kulturforum Kreuzkirche e.V.“ entgegen ihrer reinen ursprünglichen Bestimmung heute auch für Lesungen, Kinoabende, Puppentheater und sogar Rockkonzerte genutzt. Sie bietet Jung und Alt somit einen weiteren Anlaufpunkt, an dem städtisches Leben und Zusammenkommen möglich ist.
Wer ist das Thüringer Aktionsbündnis „Innenstädte mit Zukunft“?
Die Thüringer Innenstädte lebensfähig und attraktiv zu gestalten, ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „zentrales“ Anliegen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Freistaat. Vielfältige Aufgaben ergeben sich durch aktuelle Trends, dazu zählen der Strukturwandel im Handel – speziell die Dynamik des Online-Handels –sowie der demografische Wandel, der Klimawandel und die Folgen der Corona-Pandemie. Hier sind vernetztes Handeln und zukunftsorientierte Lösungen gefragt. Das Aktionsbündnis, dessen Geschäftsstelle bei der LEG Thüringen liegt, vereint inzwischen rund 100 Akteurinnen und Akteure aus Kommunen, Wirtschaft, Handel, Kultur und Zivilgesellschaft. Gemeinsam arbeiten sie daran, Innenstädte lebendig, resilient und zukunftsfähig zu gestalten. Angesichts von Strukturwandel, Leerstand, Klimawandel und demografischen Veränderungen eine Aufgabe von enormer Bedeutung.
Das Bündnis versteht sich als strategische Kommunikations- und Austauschplattform. Die thematische Arbeit erfolgt vor allem in drei Arbeitsgruppen, die zentrale Herausforderungen für die Innenstadtentwicklung behandeln. Sie widmen sich den drei Themengebieten Klima, Leerstandsbewältigung sowie Wohnen und Leben in der Stadt. In den Arbeitsgruppen tauschen sich die Mitglieder aus, teilen Erfahrungen und arbeiten an Modellprojekten, Pilotprojekten und innovativen Ansätzen, die zur Stärkung der Innenstädte beitragen sollen. In regelmäßigen Treffen – diskutieren die Mitglieder zentrale Themen wie Digitalisierung, demografischer Wandel und die Zukunft des stationären Handels und entwickeln sie strategisch weiter.

















