Gebäude Eiermannbau Apolda
Immobilien

Prämiert: Eiermannbau Apolda ist Industriedenkmal mit Potenzial.

Thüringer Staatspreis für Baukultur würdigt Wandlung des leerstehenden Industriebaus in eine Open Factory.

Gebäude bestehen und durchlaufen verschiedene Zeiten und Zwecke. Sie sinnvoll lebendig zu halten und dabei immer wieder neue Impulse für das Leben oder Arbeiten in ihnen zu setzen, das ist hohe Kunst und mitunter herausfordernd. Der Eiermannbau Apolda zeigt, es kann gelingen.

Oder sollten wir statt Eiermannbau besser sagen: Die Open Factory Eiermannbau Apolda. Denn zu ihr ist das Gebäude geworden, seitdem wir es gemeinsam mit der Stadt und der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen in eben diese verwandelt haben. Heute ist das Gebäude ein Ort, an dem Menschen sich begegnen können, an dem Arbeit und Kultur verbindend möglich ist, weil der Rahmen stimmt. 

Die alles entscheidende Frage, die wir uns gemeinsam mit Stadt und IBA Thüringen gestellt hatten als es um die Sanierung und Revitalisierung eines Gebäudes ging, das 20 Jahre leer stand: Wie wenig ist genug?  Sprich: was braucht es tatsächlich, um ein Gewerbeobjekt und Industriedenkmal umsichtig zu sanieren und eine neue Nutzung möglich zu machen. Für unsere Antwort auf diese Frage wird der Eiermannbau Apolda im September 2026 mit dem Thüringer Staatspreis für Baukultur ausgezeichnet. 

Wie wenig ist genug?

Für die Sanierung des Industriedenkmals hatte das Projektteam verschiedene Ideen für ein reduziertes Sanieren entwickelt und in einem Reallabor Stück für Stück ausprobiert. Der Auftrag dabei war klar: So viel Bausubstanz unverändert erhalten wie möglich und zugleich eine neue Nutzung ermöglichen. Es folgte eine schonende Sanierung des einstigen Feuerlöschgerätewerkes und bedeutenden Industriedenkmals aus rund 6.000 Tonnen Beton, Stahl und Holz. In einfacher Bauweise und mit minimalinvasiven Eingriffen wurde so das Notwendige erreicht. Holz, Stroh und andere wiederverwendete Stoffe aus der Region wurden im Verlauf der Sanierung getestet und verbaut. Dabei kamen mit dem Einsatz recycelter Stoffe aus einer Apoldaer Stickerei auch Materialien zum Einsatz, die in regionaler Tradition zum Standort stehen. Eingriffe in den Baubestand wurden so weit wie möglich reversibel angelegt, die großzügigen Gewerbeflächen in den einzelnen Ebenen wurden nicht komplett ausgebaut, sondern durch ein Haus-im-Haus-Konzept nutzbar gemacht: Konkret bedeutet dies, dass Gewächshäuser in den Hallen aufgestellt und als Büros nutzbar gemacht wurden. Das hat mit Blick auf die energetische Versorgung den Vorteil, dass nicht komplette Gebäudeteile beheizt, sondern mit geringem Ressourceneinsatz nur die Räume beheizt werden können, die tatsächlich auch genutzt werden. Ergänzend greift das Konzept passende natürliche Lüftungsstrategien, durch den Einsatz von Vorhängen und weiteren minimal invasiven Methoden auf, um mit geringem Ressourceneinsatz gewünschten Komfort für die Nutzung der Räume zu erzielen.

Der Rückgriff auf bekannte und bewährte Mittel und die Abkehr von einer dem Komfort dienenden Vollausstattung, wie sie allgegenwärtig ist, die aber hier sicherlich aufgrund der großen Geschossflächen nicht möglich gewesen wäre ist besonders innovativ. Nur so gelingt die Nutzbarmachung des gesamten Gebäudebestands.

Aus der Jury Thüringer Staatspreis für Baukultur

Seit 2017 entstand so Schritt für Schritt eine Open Factory, in der heute ein Museum, Vereine, eine Stiftung und Angebote der Lebenshilfe, aber auch Platz für Veranstaltungen und Arbeitsräume als Co-Working-Space untergebracht sind. Das Gebäude ist das verbindende Element – der Rahmen, der stimmt und Kontur für eine Nutzung gibt. Der Wandel des Eiermannbaus ist damit auch Beleg, wie anspruchsvolle Baukultur funktional, nachhaltig und gesellschaftlich wirksam gestaltet werden kann und wie wenig Ressourcen es dafür letztlich braucht.

Die Meilensteine im Schnelldurchlauf Von der Weberei zur Open Factory

Als LEG Thüringen begleiten wir die Entwicklung des Eiermannbau Apolda zu einer Open Factory seit dem Jahr 2017 auf der Grundlage eines Entwicklungs- und Betreiberkonzeptes.  Seitdem arbeiten wir gemeinsam mit zahlreichen Partnern, Stadt Apolda, IBA Thüringen, Stiftung Thüringer Baukultur u.a. an der schrittweisen Aktivierung des Standorts. Ursprünglich errichtet wurde das Fabrikgebäude in den Jahren 1906 und 1907 für die Weberei Borgmann: Traditionell für Apolda wurden hier zunächst Textilien industriell hergestellt. Im Jahr 1939 erweiterte und modernisierte der Architekt Egon Eiermann, der u.a. durch die Planung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin bekannt wurde, die Fabrik für die Total KG und damit für die Produktion von Feuerlöschern mit zeitweise bis zu 370 Beschäftigten – davon zeugt noch heute der weithin sichtbare Schriftzug auf dem Dach des Gebäudes: „Feuerlöschgerätewerk Apolda“. Im Eiermannbau wurden bis 1994 Feuerlöscher produziert, seitdem blieb das Gebäude verwaist und als architektonische Hülle in Apolda mehr als 20 Jahre leerstehend bis wir im Jahr 2017 neuer Eigentümer wurden. Der Eiermannbau wurde in die Projektkulisse der Internationalen Bauausstellung IBA Thüringen einbezogen und auf Basis des von der IBA Thüringen entwickelten „Open-Factory-Konzeptes“ seit 2018 schrittweise einer neuen Nutzung zugeführt. Seitdem wird das Industriedenkmal mit neuem Leben erfüllt. Der Leitsatz dabei: Wie wenig ist genug?

Impressionen Eiermannbau Apolda 2026

© Bilder vom Gebäude: Stiftung Thüringer Baukultur IBA | Thomas Müller
© Bilder ChampionsMEET: LEG Thüringen | Yannik Bein

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