Im Rahmen der Reise im Juni dieses Jahres erfolgten verschiedenste Aktivitäten, darunter neun Unternehmensbesuche, zwei Kooperationsveranstaltungen mit dem indischen Industrieverband FICCI, drei Events mit dem Ziel der Investorenanwerbung für Thüringen, fünf Termine für die Wissenschafts- und Forschungsvertreter sowie acht Termine zur Fachkräftegewinnung. Als erste konkrete Ergebnisse können acht Kooperationsvereinbarungen und die Eröffnung einer Thüringer Repräsentanz im T-Hub genannt werden. T-Hub ist der weltgrößte Innovationscampus und Start-up-Inkubator mit Sitz in Hyderabad.
Die Reise wirkte nicht nur als politischer Türöffner, sondern setzte auch wichtige Impulse für neue wirtschaftliche Kooperationen. Aufbauend auf den Ergebnissen wurden drei strategische Schwerpunktfelder für die zukünftige Zusammenarbeit definiert:
- Industrielle Zukunftstechnologien und Hightech-Fertigung (Halbleiterindustrie, Optik und Sensorik, Elektronik,
- Nachhaltige Transformation und Grüne Infrastruktur (Clean Energy, Wasseraufbereitung, Kreislaufwirtschaft und Abfallmanagement, Elektromobilität und Ladeinfrastruktur) sowie
- Strategische Mobilität, Luft- und Raumfahrt sowie Sicherheit.
Für kommendes Jahr sind unter anderem Unternehmensreisen nach Indien mit Schwerpunkten in den Bereichen Space & Defence sowie Halbleiter geplant: Vorgesehen ist im Februar 2027 eine Unternehmensreise mit einem gemeinsamen Besuch der Leitmesse AERO India – Anmeldungen zur Reise nehmen wir über die Veranstaltungswebsite bereits entgegen. Eine weitere Unternehmensreise in Kombination mit dem gemeinsamen Messebesuch der SemiconIndia wird im September 2027 nach Delhi und Hyderabad führen. Zudem soll das Messegeschäft in Indien strategisch ausgebaut werden. Hierzu werden aktuell mögliche Thüringer Messebeteiligungen geprüft.
Um Thüringer Unternehmen beim Einstieg und Ausbau ihrer Aktivitäten auf dem indischen Markt zu unterstützen, engagiert sich Thüringen International bereits seit 2015 mit einer eigenen Auslandsrepräsentanz für Indien. Ergänzend hat sich der German-Indian Roundtable (GIRT) Thüringen als wichtige Plattform für Vernetzung, Erfahrungsaustausch und Informationsfluss zwischen Unternehmen und relevanten Akteuren in Thüringen etabliert. Der kommende GIRT findet am 25. November im Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Hermsdorf statt, und im Januar 2027 wird ein weiterer GIRT stattfinden (das genaue Datum wird noch festgelegt und rechtzeitig bekannt gegeben).
Ein weiterer Baustein ist die im Anschluss an die Delegationsreise gestartete Matchmaking-Plattform India-Thuringia Connect. Sie unterstützt Unternehmen beider Seiten bis März 2027 bei der Suche nach geeigneten Kooperationspartnern. Für Thüringer Unternehmen ist die Registrierung kostenfrei.
Künftig wird die Marktunterstützung in Indien noch stärker regional fokussiert. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau strategischer Partnerschaften mit wirtschaftsstarken und komplementären Bundesstaaten. Mit dem Bundesstaat Telangana wurde aktuell eine entsprechende Kooperation vereinbart. Gleichzeitig werden die etablierten Beziehungen zu Coimbatore im Bundesstaat Tamil Nadu fortgeführt.
Die Aussichten für den indischen Markt sind durchweg positiv. Das Land festigt seine Position als dynamische Wirtschaftsmacht und bleibt auch in den kommenden Jahren die am schnellsten wachsende große Volkswirtschaft der Welt. Der Internationale Währungsfonds (IMF) prognostiziert für das Jahr 2026 ein Wirtschaftswachstum von 7 %. Gemessen an der Kaufkraftparität ist Indien bereits jetzt die drittgrößte Volkswirtschaft und gewinnt als Produktions-, Innovations- und Investitionsstandort kontinuierlich an Bedeutung.
Für den Handel mit Europa verspricht das geplante Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien (EU-India FTA) – dessen Inkrafttreten Anfang 2027 erwartet wird – zusätzliche Impulse. Nach Schätzungen des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel könnten infolgedessen die EU-Exporte nach Indien um 65 % steigen, während die Importe aus Indien um 41 % zunehmen. Mehr als 96 % der Zölle auf EU-Warenexporte sollen innerhalb eines Übergangszeitraums von rund zehn Jahren schrittweise reduziert oder vollständig abgeschafft werden. Dadurch werden sich die Marktchancen für exportorientierte Unternehmen erheblich verbessern.
Auch die deutsch-indischen Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich äußerst positiv. Von dieser Entwicklung profitiert auch Thüringen: Das Handelsvolumen zwischen Thüringen und Indien hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die Thüringer Exporte nach Indien stiegen von 89 Millionen Euro im Jahr 2020 auf 189 Millionen Euro im Jahr 2025. Gleichzeitig erhöhten sich die Importe aus Indien deutlich auf 130 Millionen Euro.



