Interview-Reihe „Vielfalt ist Trumpf!“

„Wir alle profitieren von der Vielfalt im Team!“

Rubén Ignacio González Tinoco
Rubén Ignacio González Tinoco

Herr González Tinoco, schön, dass Sie für ein Interview in unserer neuen Reihe zur Diversity in der LEG zur Verfügung stehen! Bei der ThAFF kümmern Sie sich unter anderem um die Gewinnung von internationalen Fachkräften für Thüringen. Wie haben Sie selbst den Weg in den Freistaat gefunden?

Ich stamme aus Venezuela, bin in der Hauptstadt Caracas groß geworden, einer quirligen und tropischen Metropole. Klima, Landschaft, Kultur – vieles ist prima, aber die soziale und politische Lage mit diktatorischem Regime veranlassten meine Frau und mich, 2013 mit unser damals zwei Monate alten Tochter nach Deutschland zu kommen. Meine Frau und ich sind Anwälte, und ich konnte über ein Stipendium des DAAD in Göttingen Deutsch lernen: eine reizvolle Aufgabe, die ich sogleich mit großer Motivation in Angriff nahm – und die bis heute noch nicht vollständig abgeschlossen ist (lacht).

Von Lateinamerika und dem karibischen Klima nach Mitteleuropa – wie fühlt sich das an?

Zunächst mal kalt, fast immer kalt  (lacht). Zumindest was das Wetter angeht. Ganz ehrlich: Als wir Mitte März 2013 in Göttingen ankamen, lag in der Stadt richtig viel Schnee – da haben wir schon gestaunt. Aber es folgten wunderbare Monate, und das lag nicht nur am folgenden wärmeren Wetter. Wir fanden mit Glück schnell eine Wohnung und lernten unter anderem im Studium viele nette Menschen kennen. Mit der Sprache war es anfangs natürlich nicht ganz einfach, Deutsch ist ja schon extrem kompliziert, aber durch das Studium und die vielfältigen Begegnungen haben wir viel gelernt.

Wie kamen Sie nach Erfurt?

Das war im September 2013 , ich konnte an der Willy-Brandt-School (Universität Erfurt) das Fach Public Policy studieren, eine Mischung aus Politik-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaft. Leider konnten wir unseren Anwaltsberuf in Deutschland nicht ausüben, also haben wir uns neu orientiert. Auf der Basis des Studiums habe ich dann in Jena mehrere Jahre als Anerkennungs- und Qualifizierungsberater gearbeitet – da habe ich schon viele Erfahrungen zum Thema Gewinnung von internationalen Fachkräften gesammelt. Und als ich vor einem Jahr die Stellenanzeige der ThAFF gelesen habe, stand für mich der Entschluss fest, mich zu bewerben – was ja dann auch geklappt hat!

Wie wurden Sie in der ThAFF aufgenommen? Und wie erleben Sie Diversität im Team und in der ganzen LEG?

Ich habe mich gleich willkommen geheißen gefühlt, alle waren sehr nett und haben mir den Einstieg erleichtert. Wobei ich ja direkt mit dem ersten Lockdown zum Team gestoßen bin, und da lief vieles anfangs logischerweise weniger über persönliche Kontakte als über Video-Calls und Telefon. Aber das machte fast gar nichts, weil alle mir geholfen haben, und Schritt für Schritt lernte man sich dann auch face-to-face kennen. Schön fand ich auch von Beginn an, das das ThAFF-Team, ähnlich wie die LEG in ihrer Gesamtheit, so „bunt“ ist – wir haben Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern, eine gute Mischung aus Männern und Frauen sowie aus Alt und Jung. Ich mag diese Vielfalt und erweitere so meinen Horizont – wenn wir Ideen entwickeln, Konzepte erarbeiten und Projekte umsetzen, gibt es viele unterschiedliche Impulse, weil alle ihre Erfahrungen einbringen. Und ich lerne dadurch. Ein Beispiel: Ich schätze nicht zuletzt die älteren Kolleginnen und Kollegen – Sie haben so viel Erfahrung, können so viel Wissenswertes vermitteln, das liebe ich! Auch über Abteilungsgrenzen hinweg spürt man die Dynamik der Diversität. Ich selbst bringe im Übrigen in der Arbeit gern meine individuellen Einblicke ein, wir nehmen bei der ThAFF alle verschiedene, auch unterschiedliche Aufgaben wahr, das ist schön.

Und Erfurt ist Ihre zweite Heimat geworden…

Absolut! Inzwischen ist die Familie gewachsen, wir haben jetzt drei Kinder, und gerade für junge Eltern hat Erfurt viele Vorzüge, allein die kurzen Wege sind schon toll! Die Stadt hat genau die richtige Größe, sie ist Landeshauptstadt, aber man kann leicht Freunde finden und seinen Hobbys nachgehen. Ich habe hier schon eine Reihe VHS-Kurse besucht, spiele in einem Verein Baseball - jawohl, das gibt es auch hier! – außerdem Fußball, und ich habe gerade einen Verein gegründet, der Menschen aus Nord-, Mittel- und Südamerika zusammenführt und in Kontakt mit vielen anderen Bürgerinnen und Bürgern bringt. Inzwischen haben wir die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und ja, wir haben in Erfurt unsere neue Heimat gefunden!